Der illegale Handel mit Schneeleoparden - eine globale Betrachtung von Birga Dexel

Report im Rahmen der 12. Vertragsstaatenkonferenz des Washingtoner Artenschutzübereinkommens WA) 2002 in Santiago de Chile

(deutsche Kurzfassung des englischen Originalreports

„The Illegal Trade in Snow Leopards – A Global Perspective” by Birga Dexel)

 

Schneeleoparden gehören zu den weltweit am stärksten vom Aussterben bedrohten Großkatzen; nur noch 3500 – 7000 Tiere überleben in den Hochgebirgsregionen Zentralasiens. Der illegale Handel mit Fellen, Knochen, Lebendtieren und sogar Fleisch sowie der illegale Abschuss durch Trophäenjäger hat die Art an den Rand der Ausrottung gebracht.

In 11 Ursprungsländern - Afghanistan, China, Indien, Kasachstan, Kirgisistan, Mongolei, Nepal, Pakistan, Russland, Tadschikistan und Usbekistan - wird illegal mit Schneeleopardenfellen gehandelt, vor allem beim Weiterverkauf werden dabei hohe Profite  erzielt. Die Gewinnspanne im Handel mit bedrohten Arten ist die zweithöchste hinter dem Drogenhandel bei vergleichsweise geringem Risiko und Strafen: jährlich werden Wildtiere und Pflanzen im Wert von circa 164 Milliarden Euro weltweit gehandelt.

 

Die Felle von Schneeleoparden werden als Wandbehänge oder für Mützen und Mäntel verwendet. Ein Mantel, der aus 6 bis 12 Fellen hergestellt wird, kann 60.000 US-$ auf dem Schwarzmarkt kosten. Die höchsten Preise für Felle werden in den Handelsmetropolen Russlands (5000 – 15 000 US-$) sowie in den USA (9000 – 15000 US-$) erzielt,  und die niedrigsten in der Mongolei (25-50 US-$). In China und Pakistan liegen die Preise für ein Fell bei 1000 US-$ und in Kirgisistan zwischen 800 – 1500 US-$.

 

China und Russland sind nach derzeitigen Erkenntnissen die größten Märkte für Felle. Die Felle werden in der westchinesischen Autonomen Provinz Xingjiang auf den lokalen Bazaren an westliche und japanische Touristen verkauft sowie in die  industriellen Zentren Ostchinas und in Peking versandt, von wo aus sie auch nach Taiwan und Hong Kong gelangen. Die Felle stammen sowohl aus den zentralasiatischen Nachbarstaaten als auch aus China selber, wo auf fünf Provinzen, inkl. Tibet, verteilt, schätzungsweise die mit 2000 – 2500 Exemplaren größte nationale Schneeleopardenpopulation lebt.

 

Die Felle aus den früheren Sowjetrepubliken Kirgisistan, Kasachstan, Tadschikistan und Usbekistan gelangen aufgrund der reduzierten Grenzkontrollen innerhalb der Länder der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS)  auf die Märkte nach Moskau und Kaliningrad, und von dort durch Osteuropa auch in die Europäische Union. In Zentralasien, Russland und China resultiert der Druck auf wildlebende Schneeleoparden aus einer Kombination von hoher Nachfrage für Felle, Knochen und Lebendexemplare bei sehr schwachen bis nicht-existenten Vollzugsmaßnahmen. Letztere stellen keine Abschreckung für Kriminelle dar, sondern einen Anreiz. Es verdichten sich die Beweise, dass sich insbesondere in den Ländern der früheren Sowjetunion, aber auch in China wohl aufgrund der niedrigen Strafen und hohen Gewinne sich sowohl immer mehr Kleinkriminelle als auch die organisierte Kriminalität am lukrativen Geschäft mit Wildtieren beteiligt.

 

In Indien ist der illegale Handel mit Katzenfellen, der in den 90er Jahren erheblich eingebrochen war, erneut aufgeblüht mit nachweisbar hochgradig organisierten Netzwerken involviert. Indische Felle werden in Indien verarbeitet und sowohl in Indien, aber auch in Nepal, einem seit den 80er Jahren bekannten Umschlag- und Durchlaufplatz für Felle, verkauft. In Nepal, Indien und Pakistan werden Schneeleoparden von Hirten getötet, weil sie dort immer mal wieder Schafe und Ziegen reißen. In einigen Regionen Indiens und Nepals stellte die Vergeltungsmaßnahmen der Hirten die stärkste Bedrohung nach. Nach jüngsten Berichten werden Hirten in Indien mittlerweile von Händlern angeheuert, Schneeleoparden in ihren Regionen als Problemtiere zu deklarieren, diese zu töten und die Felle in den Handel zu bringen. Der Nachweis, ob die getöteten Tiere tatsächlich Nutztiere gerissen hatten, dabei sehr schwierig. Ein weiterer wachsender Absatzmarkt sowohl für Felle als auch für Lebendexemplare ist die arabische Halbinsel: Die Vereinigten Arabischen Emirate und Dubai. Letzteres ist auch als großer Umschlagsplatz für illegales Elfenbein bekannt.

 

Die Knochen von Schneeleoparden werden zunehmend als Ersatzstoffe für Tigerknochen in der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) eingesetzt, ein weltweit rasch wachsender Markt  bei immer kleiner werdenden Tigerpopulationen.

 

Lebend werden Schneeleoparden sowohl in Kirgisistan, Tadschikistan, China und Pakistan gefangen und gehandelt. Ein Jungtier kostet z.B. auf dem kirgisischen Schwarzmarkt  5,000 -11,000 US-$. Abnehmer sind Zoos in China und anderen Ländern, die aufgrund ihrer schlechten Haltungsbedingungen im Rahmen des offiziellen Europäischen Zuchtaustauschprogrammes (EEP) keine Schneeleoparden erhalten würden, sowie Privatpersonen und aller Wahrscheinlichkeit auch Zirkusbetriebe. In den Ländern der früheren Sowjetunion und China sind Zirkusse sehr weit verbreitet und nur die größten bei den Behörden bekannt und registriert. 

 

China ist das einzige Land, in dem sowohl Felle, Knochen, Lebendexemplare als auch  Fleisch gehandelt. Eine Mahlzeit mit Schneeleopardenfleisch kostet in dort 16 US-$ pro Gericht.

 

Aber auch aus den westlichen Ländern kommt Bedrohung. Westliche Trophäenjäger aus Europa und den USA stellen dem Schneeleoparden mit illegal erworbenen Lizenzen in der Mongolei und in Tadschikistan nach. In der Mongolei kostet eine 19 tägige Safari samt  Schneeleopardenabschuß 25 000 US-$, in Tadschikistan ist das ganze schon für 7,520 zu haben. Vermittelt werden die Jagdreisen nach Tadschikistan von einer russischen Firma, die im Internet für deutschsprachige Kunden ihre Dienste anbietet.

 

Die Bedrohung für den Schneeleoparden durch den illegalen Handel war noch nie so groß wie heute. Die letzten Exemplare können nur dann erhalten werden, wenn die internationale Staatengemeinschaft geschlossen, konzertierte und umfassende Maßnahmen zur Stärkung des Vollzugs in den Ursprungsländern und zur Eindämmung des illegalen Handel beschließt und umsetzt wie es auch für den ebenso bedrohten Tiger beschlossen worden war. Vom 3-15. November wird in Santiago de Chile die 12. Vertragsstaatenkonferenz des Washingtoner Artenschutzübereinkommens (WA; englisch: CITES) stattfinden. Obwohl seit 1976 unter der höchsten Schutzkategorie der Konvention (Anhang I) gelistet, sind von den Vertragsstaaten bis dato keine weiteren Schutzmaßnahmen beschlossen worden.  

 

Es bedarf der Initiative auf höchster Ebene sowie finanzielle und technische Unterstützung für die zentralasiatischen Länder bei der Umsetzung der CITES-Schutzbestimmungen.

 

In Russland (Operation Amba) und Kirgisistan (Gruppa Bars) haben der Einsatz spezieller Anti-Wilderei Einheiten gezeigt, dass innerhalb kürzester Zeit durch den Einsatz gezielter Maßnahmen und kriminalistischer Technik der illegale Handel und damit das Töten wesentlich eingedämmt werden konnte. Ähnliche Gruppen müssten in allen Ursprungsländern mit der Ausnahme Bhutans, aber insbesondere in China, Indien, Pakistan, Tadschikistan und der  Mongolei ein gesetzt werden.