Verhaltensberatung und Therapie für Katzen
Verhaltensprobleme bei Katzen: Gründe, Lösungen, Prävention

 

Muß meine Katze auf die „Couch“?
700 Millionen Katzen leben weltweit mit Menschen zusammen: 8,2 Millionen davon alleine in deutschen Haushalten. Katzen haben damit den Hund als beliebtestes Heimtier abgelöst. Viele Katzenfans wissen um die heilenden Kräfte Ihrer Stubentiger; sie tragen nicht nur durch Ihr Schnurren zu unserem Wohlbefinden bei. Mensch und Tier profitieren, wenn die Katze körperlich und psychisch gesund ist.

Verhaltensprobleme bei Katzen
Aber immer häufiger leidet die Psyche und Seele von Katzen und sie zeigen uns dies durch unerwünschtes Verhalten. Die Beziehung zwischen Halter und Katze wird auf eine harte Probe gestellt, wenn Verhaltensauffälligkeiten auftreten.

 

Verhaltenstherapeutische Hilfe für Katzen

Radio I Interview vom 29.10.2008 (zum download)

Es ist allgemein noch wenig bekannt, dass es auch bei Katzenproblemen und Katzenfragen wirksame professionelle Hilfe gibt. Für Hunde- oder auch Pferdehalter ist es normal, sich bei Problemen mit ihren Tieren, Unterstützung durch Experten wie Hundetrainer bzw. Pferdetherapeuten zu suchen.
Katzenhalter hingegen hatten lange Zeit das Problem, dass es keine auf Katzenverhalten spezialisierte Therapeuten gab. Obwohl Katzen schon länger als der Hund ihr Leben mit uns teilen, wussten wir lange Zeit im Vergleich zum Hund nur sehr wenig über die Verhaltensbiologie von Katzen und damit über ihre  artgerechten Bedürfnisse. Die Art und Weise unseres Zusammenlebens mit Katzen hat sich in den letzten Jahrzehnten grundlegend verändert.
Hatten Katzen früher auf den Höfen die Aufgabe Mäuse zu fangen und konnten dafür im Gegenzug frei und selbstbestimmt in einem relativ gesicherten Revier leben, so leben sie heute angepasst an den Tagesablauf ihrer Halter in der Regel im Haus, viele komplett ohne Freigang. Seit in den fünfziger Jahren Katzenstreu und Katzentoiletten auf dem Markt kamen und Menschen verstärkt in Städten oder städtischem Umfeld leben, nimmt die reine Wohnungshaltung kontinuierlich zu. In den USA leben 80% aller Katzen in Wohnungen, für Deutschland gibt es keine Schätzungen.
Zeitgleich mit diesen veränderten Lebensbedingungen für Katzen traten auch Verhaltensauffälligkeiten auf. Mittlerweile wissen wir genug über viele der Auslöser für Verhaltensprobleme und können diese gezielt und erfolgreich therapieren.

Lösung von Verhaltensstörungen bei Katzen

Katzen mit Verhaltensproblemen, bei denen keine körperliche Ursache für die Störung vorliegt, bedürfen der umgehenden professionellen Hilfe. Viele Katzenhalter warten zu lange, bevor sie sich solche Unterstützung suchen. Oftmals wurden schon viele gute Ratschläge aus dem Bekanntenkreis oder dem Internet erfolglos ausprobiert. Je länger Miez schon neben dem Klo uriniert oder aggressives Verhalten zeigt, desto schwieriger die Suche nach dem Auslöser und ggf. desto langwieriger die Therapie.

Verhaltensprobleme können weder symptomatisch noch durch körperliche oder psychische Bestrafungen gelöst werden.

Verhaltensstörungen muß man abgrenzen von normalen Katzenverhalten. Wenn katzentypisches Verhalten wie Kratzen zum Problem wird, muß nicht die Katze bestraft, sondern die Rahmenbedingungen im Haushalt entsprechend den natürlichen Bedürfnissen der Katze nach optischer Markierung ihres Reviers verändert werden.

 

Gründe für Verhaltensprobleme bei Katzen

 Für Verhaltensstörungen bei Katzen gibt es immer Gründe: manchmal erfüllen wir unwissentlich ihre artspezifischen Bedürfnisse nicht, sie sind unterfordert und gelangweilt in ihrem Alltag.
Manchmal sind sie auch überfordert mit Veränderungen in ihrem Lebensumfeld, werden älter oder die Beziehung zwischen Mensch und Tier hat sich verändert. Lange bevor Katzen verhaltensauffällig werden, haben sie uns ihre Not versucht zu kommunizieren. Katzenkommunikation ist oftmals sehr subtil und für viele Katzenfreunde schwer zu deuten bzw. erscheint missverständlich. Je mehr wir lernen, ihre lautlose Signale und Botschaften zu verstehen, desto intensiver wird die Beziehung zu unserer Katze und desto geringer die Wahrscheinlichkeit, dass Auffälligkeiten im Verhalten der Katze auftreten.


Meine langjährige Erfahrung als Katzentherapeutin hat mir gezeigt, dass Verhaltensprobleme selten alleine auftreten und in vielen Haushalten, die mich wegen ihrer „Problemkatze“ bzw. „Problemkatzen“ kontaktieren mehr als ein Problem besteht. Alle im Haushalt befindlichen Tiere und Menschen können potenziell Teil des Problems, aber auch Teil der Lösung sein.

Sowohl reine Wohnungskatzen, als auch Freigänger können unerwünschtes Verhalten zeigen, wobei dies meiner Erfahrung nach häufiger bei Katzen zu finden ist, die nur in der Wohnung gehalten werden. Es ist möglich Katzen auch als reine Wohnungskatzen artgerecht zu halten, aber hier ist es besonders wichtig, dass Katzenhalter sich umfassend informieren, was eine katzengerechte Wohnungshaltung beinhaltet und wie ich meinem Katzenfreund ein erfülltes Leben im Haus biete.


Viele Katzen leben unter nicht optimalen Bedingungen, zeigen aber nicht unbedingt sofort Reaktionen darauf. Für viele Halter ist es zum Beispiel schwierig nachzuvollziehen, dass die angebotene Katzentoilette nicht optimal sein soll und die Katze sich aus ihrer Sicht „plötzlich“ entscheidet, diese nicht mehr zu nutzen, obwohl sie dies doch jahrelang getan hat. Katzen sind extrem flexibel und anpassungsfähig, aber als Katzenfreund kann ich nicht davon ausgehen, dass ein Stubentiger z.B. schlechte Toilettenverhältnisse bis an sein Lebensende akzeptiert.  Ein Verhaltensproblem kann zunächst für den Halter nicht sichtbar, auch jahrelang, latent vorhanden sein. Das unbemerkte Verhaltensproblem bricht meistens dann aus, wenn zusätzlicher Stress entsteht.

Gestresste Stubentiger

Stress ist ein wichtiger krankmachender Faktor im Leben von vielen Menschen und ist auch einer der Hauptauslöser für Verhaltensprobleme bei Katzen. Vielen Katzenfreunden mag es fast schon absurd erscheinen, dass ihre Katze gestresst sein könnte. Katzen sieht man ihren Stress oft nicht an, sondern merkt als Halter oft erst, dass etwas nicht stimmt, wenn die Katze Verhaltensprobleme zeigt.

Stress kann bei Katzen z.B. durch folgende Faktoren ausgelöst werden:

  • Veränderungen in ihren Lebensbedingungen, die die Katze überfordern wie z.B. Umzug, Urlaub, Verlust der Bezugsperson, neues tierisches oder menschliches Familienmitglied, neues Katzenklo, neue Katzenstreu, neue Möbel im Haus, Renovierungsarbeiten im Haus, Wegfall des Freigangs, neue Tabuzonen in der Wohnung oder der Halter kann weniger Zeit mit seinem Tier verbringen
  • Erkrankung, akute und chronische Schmerzen. Älter werden und Alt sein
  • Streit und Anspannung in der menschlichen Familie
  • Probleme im Mehrkatzenhaushalt, fremde Katzen in unmittelbarer Nachbarschaft oder im Gartenrevier
  • Langeweile und Unterforderung
     

 

Prävention von Verhaltensstörungen

 Vorsorge ist besser als Nachsorge: Viele Verhaltensprobleme könnten vermieden werden, wenn der Katzenbesitzer sich gezielt und sachlich über das arttypische Verhalten seines Heimtieres informieren würde.

 Keine Strafen bei unerwünschtem Katzenverhalten

Jegliche Form von Bestrafungen von Katzen sind sinnlos und ausschließlich kontraproduktiv. Insbesondere die leider immer noch gängige und im Volksmund propagierte Praxis, Katzen, wenn sie außerhalb des Katzenkistchens urinieren, mit der Nase durch ihren Urin zu ziehen ist mehr als kontraproduktiv. Es ist eine Form der körperlichen Gewalt gegen die Katze, die weder diese Bestrafung mit ihrem Urinieren außerhalb des Katzenklos in Verbindung bringt noch ihr Verhalten ändern wird.

Katzen wollen ihre Halter nicht ärgern, wenn sie urinieren oder koten, sondern ihren Menschen auf das offensichtlich für sie vorhandene Problem aufmerksam machen. Sehr oft spielen auch körperliche Gründe eine Rolle, die vom Tierarzt abgeklärt werden müssen. Katzen zu bestrafen wird sie verängstigen und die Beziehung zu ihnen nachhaltig stören oder in Fällen von massiver physischer Gewalt wie Schütteln, Dinge nach ihnen werfen, Treten und Schlagen für immer ruinieren. Das einzige, was man mit Gewaltanwendung erreicht sind in vielen Fällen noch mehr Verhaltensprobleme sowie den Zusammenbruch der Kommunikation und der Beziehung zum Tier.

Katzen mit Problemen brauchen katzentherapeutische Hilfe, viel Verständnis, Geduld, Liebe und Zuwendung. Nachhaltige Resultate und Verhaltensänderungen bei Katzen erreichen sie nur mit positiver Bestärkung. Letzteres gilt natürlich genauso für andere Haustiere wie z.B. Hunde und Pferde; Arten die leider oftmals sehr viel körperlicher und psychischer Gewalt ausgesetzt sind.

Ich arbeite in meiner Praxis mit den rein gewaltfreien und katzengerechten Methoden der Verhaltenstherapie für Katzen, dem Clickertraining, Bachblüten und der Tierkommunikation.