Welche Verhaltensprobleme gibt es bei Katzen?

Gängige Verhaltensstörungen bei Katzen, bei denen sich eine verhaltenstherapeutische Beratung bewährt hat:

Unsauberkeit der Katze: das häufigste Verhaltensproblem bei Katzen. Die Katze benutzt ihr Katzenklo nicht mehr, uriniert und / oder kotet (defäkiert) auch oder ausschließlich außerhalb des Katzenklos. Beliebte Orte: neben die Katzentoilette, auf das Bettzeug, in Schuhe oder Taschen oder in die Badewanne.

Warum eine Katze unsauber wird, kann viele Gründe haben und es bedarf eines gründlichen Befundes, um die Ursachen zu identifizieren.

Harnmarkieren: Harnmarkieren muß von Unsauberkeit klar getrennt werden. Harnmarkieren ist ein natürliches Verhalten. Jede Katze kann markieren, egal ob männlich oder weiblich, kastriert oder unkastriert. Die Wahrscheinlichkeit, dass markiert wird, ist jedoch bei unkastrierten geschlechtsreifen Katern am größtem sowie von unkastrierten Katzen während der Rolligkeit. Nach Sabine Schroll markieren noch etwa 10% der kastrierten Kater und 5% der Katzen. Die Katze zeigt beim Harnmarkieren eine sehr deutliche Körpersprache: Beim Markieren steht der Schwanz der Katze senkret nach oben gerichtet und zittert leicht, die Hinterbeine sind durchgedrückt und die Katze tretelt auf der Stelle. Der Harn wird horizontal oder leicht nach oben abgespritzt. Daher finden Halter im Vergleich zur Unsauberkeit keine größere Pfützen Harn, sondern bespritzte Stellen vertikal an der Wand, am Schrank, am Türpfosten oder anderen für die Katze wichtigen Stellen.

 

Kratzmarkieren: Die Katze kratzt an Möbeln, Teppichen, Tapeten, Gardinen und Türpfosten.

Von Katze zerkratzte Tapete Katze kratzt Sofa

Kratzmarkieren ist eigentlich ein normales Verhalten. Zusammen mit dem Halter werden aus Sicht der Katze optimale Kratzstellen identifiziert und der Katze im nächsten Schritt mit individuell angepassten Maßnahmen beigebracht, wo Kratzen erwünscht ist und wo nicht.

Aggressives Verhalten gegenüber anderen Katzen, Tieren oder Menschen

Aggressive Katzen   Katze beisst in den Arm

Aggressivität gegen eine neue Katze:

Katzen sind Individualisten. Sie können sehr gesellig sein und eine oder andere Katzen als Bereicherung ihres Lebens ansehen sowie enge Bindungen und Freundschaften mit bestimmten Katzenindividuen eingehen. Sie können sich aber auch dafür entscheiden, andere Katzen als völlig überflüssig oder sogar als Belastung oder Bedrohung zu empfinden. Ganz entscheidend ist, will man eine neue Katze zu einer oder mehreren Katzen hinzugesellen, die sorgfältige Auswahl der Katze hinsichtlich des passenden Alters, Geschlechts, Persönlichkeit und Sozialisation. Bei der Wahl der Katze unwichtige Faktoren sind Fellfarbe oder „Niedlichkeitsfaktor“ des neuen Tieres. Des weiteren ist es von großer Bedeutung, wie ich das neue Tier integriere. Verlaufen die ersten Zusammentreffen ungünstig, kann eine Feindschaft fürs Leben besiegelt sein. Die Praxis für Tierberatung berät sie sowohl vor dem und beim Erwerb der neuen Katze als auch bei der Zusammenführung mit denen schon im Haus lebenden Stubentigern.

Wenn Katzenbeziehungen plötzlich zerbrechen: siehe weiter unten unter „Häufige auslösende Situationen für Katzenmobbing in der Beratungspraxis“.

Aggressivität gegen Menschen: Manche Katzen zeigen Aggression gegen Menschen, die dem Spektrum, das gegen andere Katzen gezeigt werden kann, gleicht. Häufigere Beispiele aus der Beratungspraxis, die dringend therapiert werden müssen, sind: die Katze lauert ihrem Menschen auf, springt und beisst in die Wade, in Beine, Hände oder sogar in extremeren Fällen in das Gesicht.

Richtige Katzenbisse (nicht zu verwechseln mit den sogenannten Liebesbissen, einem sanften Knabbern statt beißen) sind eine vielfach unterschätzte Gefahr und können zu bösen Entzündungen und Narben führen. Ich habe selbst schon in meiner Praxis einige erschreckende „Bissbeispiele“ gesehen. Fakt ist, ein richtiger Katzenbiss ist nach einem Menschenbiss der Zweitgefährlichste. Katzen haben als Fleischfresser ein stark spezialisiertes sekodontes Raubtiergebiss mit vier scharfen Eckzähnen (Canini), jeweils zwei im Ober- und Unterkiefer, die effektive  Waffen der Feliden zum fangen und töten der Beute darstellen. Die spitzen Zähne können sich wie Injektionsnadeln tief in die Haut bohren und kleine, manchmal auch sehr tiefe, Wunden hervorrufen. Im Maul der Katze wimmelt es von Bakterien, die in den sich schnell wieder verschließenden Wunden eingeschlossen werden können und dort zu Entzündungen, Abszessen und sogar zu einer Blutvergiftung führen können. Katzenbisse bitte immer ernst nehmen und einem Arzt vorstellen.

Probleme im Mehrkatzenhaushalt

Katzenmobbing: Mobbing unter Katzen ist weiter verbreitet als Mensch annimmt, aber nicht so offensichtlich für uns, da es nicht notwendigerweise zu körperlichen Auseinandersetzungen kommen muß. Katzen sind Meister darin, Psychodruck auf Mitkatzen auszuüben, ohne das der Halter dies merkt. Die gemobbte Katze zieht sich oft immer mehr zurück, verkriecht sich für immer längere Zeit und wird ggf. unsauber oder andersweitig verhaltensauffällig. Mobbing deutet auf gravierendere Probleme im Miteinander der Katzen hin, wo schnell therapeutisch und systematisch das Problem angegangen werden muß, bevor die Fronten so verhärtet sind, dass die Beziehung nicht mehr zu kitten ist und eine Katze die Gruppe verlassen müsste, damit wieder Ruhe einkehrt.

Woran merke ich, ob in meinem Mehrkatzenhaushalt gemobbt wird?

Oftmals gar nicht, bis ein Tier verhaltensauffällig wird. Generell gilt, je mehr Katzen in einem Haushalt zusammenleben, desto größer muß die Wachsamkeit des Halters sein, ob auch „wirklich“ alles im Lot ist.

Warnzeichen können z.B. sein:

  • wenn eine Katze immer in der Türschwelle liegt und einer anderen damit der Durchgang verwehrt wird

    Katze liegt auf Türschwelle
  • wenn einer Katze der Zugang zur Toilette verweigert wird oder ihr auf der Katzenkiste aufgelauert und / oder sie unmittelbar nach ihrem Geschäft angegriffen wird
  • wenn einer Katze der Zugang zum Futter erschwert oder verwehrt wird und
  • andauerndes Auflauern und Angreifen, das keine spielerische Komponente beinhaltet.

Gemobbte Katzen reagieren mit defensiver Laut- und Körperkommunikation wie Fauchen und ggf. Knurren. Je gestresster sie werden, desto öfter zeigen sie diese Reaktionen auch in harmlosen Situationen.

Wieso mobben sich auch Katzen, die vorher gut miteinander auskamen?

Häufige auslösende Situationen für Katzenmobbing in der Beratungspraxis:

    Katze erklimmt Bücherregal
  • Sichern Sie alles in ihrem Haushalt, was Katzen erklettern oder erspringen können, und das ist mehr als man häufig meint. Die Plätze, wo man seine Katzen manchmal antrifft, können immer wieder Staunen und Bewunderung hervorrufen, wie sie das wohl wieder geschafft hat. Vorsicht ist besonders geboten, wenn mehrere Katze zusammenleben. Es passiert sehr oft, dass z.B. durch kleinere „Unfälle“, die in Anwesenheit der später als feindlich betrachteten Katze geschehen, die unschuldige Gefährtin als Auslöser des Schrecks oder des Schmerzen identifiziert und in Folge dessen von nun an bekämpft wird und nur schwer zu therapierende übertragene Aggressionen nehmen bei solchen Vorfällen ihren Anfang. Typische Situationen wären z.B. etwas fällt herunter und eine Katze erschrickt sich, ein Gegenstand trifft sie beim herunterfallen versehentlich oder ihr Schwanz wird aus Versehen eingeklemmt in Anwesenheit der anderen.
  • eine Katze war aus der Gruppe für eine Zeitlang rausgenommen worden z.B. aufgrund eines Tierarztbesuches oder sie war weggelaufen.
  • die Katzen passen eigentlich nicht wirklich zusammen und durch einen weiteren Stressfaktor wurde der bisher unter der Oberfläche brodelnde Konflikt zu Tage gebracht
  • Alterungsprozess, Tumore, Krankheit oder Schmerz können (müssen aber nicht, es gibt auch genug Gegenbeispiele, wo Katzen sich umeinander kümmern) dazu führen, dass langjährige Katzenbeziehungen zerbrechen.

 

Übermäßige Fellpflege bis hin zu kahlen Stellen, im Fachjargon als Feline Selbstinduzierte Alopezie (FSA) bezeichnet. Dabei putzen und lecken die Katze ihr Fell so übermäßig, bis die Haare verschwunden sind und kahlen Stellen entstehen. Dies betrifft alle Bereiche, wo die Katze problemlos mit ihrer Zunge hinkommt: Bauchbereich, Rückseite der Vordergliedmaßen, Innen- und Rückseite der Hintergliedmaßen und des Rückens. Vor einer Verhaltenskonsultation bitte prüfen lassen, ob keine gesundheitlichen Probleme wie möglicherweise Parasiten, Allergien oder eine Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) Auslöser für die FSA sind. Zur Abklärung konsultieren Sie bitte Ihren Tierarzt oder einen Fachmann für Hauterkrankungen bei Kleintieren.

Fressen von Wolle (Pica) oder anderen Gegenständen oder Elektrokabeln. Besonders häufig ist Pica, aber nicht ausschließlich, bei Siamkatzen und Burmesen zu beobachten. Wolle zu fressen kann für Katzen lebensgefährlich werden, da die vielen sich auf der Katzenzunge befindlichen rauhen und nach hinten gerichteten Papillen, alles im Maul befindliche mit jeder Zungenbewegung fast nur nach hinten in de Schlund transportieren. In keinem Fall sollte vom Halter versucht werden, an einem Ende des Fadens zu ziehen, da sonst die Gefahr besteht, dass die auf dem Faden aufgewickelten Därme längs eingeschnitten werden. Im Darm festsitzende Fremdkörper müssen von einem Tierarzt unter Vollnarkose operativ entfernt werden. Auch gibt es Katzen, die eine besondere Vorliebe für Plastik, Gummi (Putzhandschuhe, Gummiringe) oder Latex entwickelt haben.

 

 

Katze knabbert an Pflanzen und Blumen
Katze beim Knabbern von Katzenminze und Baldrian
Katzen brauchen Zugang zu frischen Grünzeug, um u.a. verschluckte Haarballen einfacher hervorwürgen zu können. Da viele Zimmerpflanzen und Schnittblume giftig sind (Sprungmarke giftige Pflanzen für Katzen), ist es wichtig, Katzen geeignete Pflanzen in ausreichender Menge zur Verfügung zu stellenwie Katzengras oder Zimmerbambus und ihnen zudem beizubringen, dass alles andere Grünzeug tabu ist. Dafür eignet sich das Clickertraining (Sprungmarke Clickertraining) hervorragend.

Hautnuckeln und Saugen: Manche Katzen haben es sich angewöhnt, an (bestimmten) Kleidungsstücken ihrer Menschenfreunde, an Fingern, Armen oder anderen Körperstellen zu nuckeln und zu saugen.

Stereotypien bei Katzen: sich selbst belohnendes Verhalten wie Schwanzjagen, im Kreislaufen oder Fliegen jagen ohne Objekt.

Autoaggressives Verhalten: manche Katzen bearbeiten ihren eigenen Schwanz so dermaßen, dass Teile davon amputiert werden müssen.

Rolling-Skin-Syndrome (Feline Hyerästhesie): wenn keine körperlichen Ursachen vorliegen.

Hyperaktivitätsstörung: Nicht mit „Lebhaftigkeit“ zu verwechseln und bitte beim Tierarzt kontrollieren lassen, ob keine gesundheitlichen Probleme vorliegen.